Mit der Etablierung des ReguLab innerhalb der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) vollzieht sich ein grundlegender Wandel in der deutschen Datenschutz- und KI-Aufsicht. Ausgelöst durch die praktische Erprobung im KI-Reallabor-Pilotprojekt 2025 und vor dem Hintergrund der europäischen KI-Verordnung (AI Act) wurde das ReguLab im Januar 2026 als eigenständige, strategische Einheit institutionalisiert.

Für Unternehmen – insbesondere für mittelständische Organisationen – markiert dies einen Paradigmenwechsel: weg von reiner Ex-post-Kontrolle hin zu einer kooperativen, innovationsbegleitenden Ex-ante-Beratung, die Rechtssicherheit schafft und Investitionen in KI erleichtert.

1. Regulatorische Zeitenwende

Herausforderung

Die rasante Entwicklung generativer KI-Systeme stellt klassische Regulierungsmodelle vor erhebliche Herausforderungen. Gesetzgebung und Innovation laufen nicht mehr synchron.

Lösung: Reallabor

Kontrollierte Experimentierräume (Regulatory Sandboxes) ermöglichen Innovation und Regulierung parallel wachsen zu lassen. Das ReguLab ist die systematische Umsetzung auf Bundesebene.

2. Rechtlicher Rahmen: AI Act & DSGVO

AI Act (Art. 57)

Verpflichtung zu KI-Reallaboren bis August 2026. Zentrales Element ist das Sanktionsprivileg: Keine Bußgelder bei gutgläubigem Handeln und Einhaltung des Versuchsplans.

DSGVO

Schutz personenbezogener Daten in Trainings- und Testprozessen. Das ReguLab prüft die Vereinbarkeit der Privilegien des AI Act mit den Datenschutzprinzipien.

Ergebnis: Ein strukturierter Rahmen, der Innovation ermöglicht, ohne den Schutz zu relativieren.

3. Von der Pilotphase zur Dauerstruktur

Mai 2025: Pilotprojekt

Start unter Beteiligung von BfDI, Bundesnetzagentur und Hessischem Digitalministerium. Erkenntnis: Hoher Beratungsbedarf und Notwendigkeit agiler Rückmeldungen.

Januar 2026: Institutionalisierung

Gründung des Referats DI1 „ReguLab“. Aufgabe: Prozessuale Steuerung und rechtliche Bewertung komplexer KI-Systeme.

August 2026: Vollbetrieb

Verpflichtender Start der nationalen KI-Reallabore. Fokus auf Skalierung der bewährten Qualität.

4. Der operative Reallabor-Prozess

1

Onboarding

Bewerbung mit KI-Projekt (hoher Innovationsgrad & Klärungsbedarf).

2

Experiment

Definition von Versuchsplänen, Datenstrategien und Risikobewertung.

3

Transfer

Abschlussbericht für Investitionssicherheit und Weiterentwicklung der Regulierung.

5. Das Ökosystem

Das ReguLab agiert eingebettet in ein starkes Netzwerk:

  • hessian.AI: Stellt Hochleistungsrechenkapazitäten und Dateninfrastrukturen bereit.
  • ZEVEDI: Begleitet wissenschaftlich (Ethik & Gesellschaft).

6. Vorteile für KMU

  • Rechtssicherheit bei KI-Investitionen
  • Reduzierung regulatorischer Risiken vor Markteintritt
  • Vertrauensgewinn bei Kunden & Investoren
  • Wettbewerbsvorteil „Trustworthy AI made in Germany“

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Das ReguLab ist eine spezialisierte Einheit der BfDI, die als KI-Reallabor fungiert. Es bietet Unternehmen einen kontrollierten Raum, um innovative KI-Systeme unter behördlicher Begleitung zu entwickeln und auf Rechtskonformität zu prüfen, bevor sie breit in den Markt eingeführt werden.

Das Sanktionsprivileg gemäß Artikel 57 des AI Act bedeutet, dass gegen Unternehmen keine Verwaltungsbußgelder verhängt werden, solange sie sich an den genehmigten Versuchsplan halten und gutgläubig handeln. Dies schafft eine angstfreie Zone für Innovation und rechtliche Klärung.

KMU erhalten durch die Teilnahme frühzeitige Rechtssicherheit für ihre Investitionen. Anstatt Produkte zu entwickeln, die später regulatorisch scheitern könnten, erhalten sie Ex-ante-Beratung. Zudem stärkt die Teilnahme das Vertrauen von Investoren und Kunden in die Compliance der KI-Lösung.

Der Fokus liegt klar auf Künstlicher Intelligenz, insbesondere im Zusammenspiel mit der DSGVO. Da KI-Training fast immer personenbezogene Daten involviert, ist das ReguLab die Schnittstelle, die prüft, wie KI-Innovation datenschutzkonform realisiert werden kann.

hessian.AI ist das Hessische Zentrum für Künstliche Intelligenz, das unter anderem Hochleistungsrechenkapazitäten und Dateninfrastrukturen bereitstellt. ZEVEDI (Zentrum verantwortungsbewusste Digitalisierung) begleitet das Reallabor wissenschaftlich, um sicherzustellen, dass ethische und gesellschaftliche Aspekte bei der KI-Entwicklung berücksichtigt werden.